Das aktuelle politische Buch


Museen und Gedenkstätten

Anna Kaminsky (Hrsg.):
Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen
Herausgeber: Anna Kaminsky im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Erarbeitet von Anna Kaminsky, Ruth Gleinig und Lena Ens
Sandstein Verlag, Dresden 2018, 472 Seiten, durchgehend mit Farbabbildungen, broschiert; Preis 29 Euro, ISBN  978-3-95498-390-2


In den 1970er und 1980er Jahren lebte etwa ein Drittel der Weltbevölkerung unter kommunistischen Regimen, deren Herrschaftsmethoden von der alltäglichen Einschüchterung bis zu Staatsterror und Justizmorden reichten. Daran erinnert dieses Buch und versucht den Opfern gerecht zu werden, und – um es vorweg zu nehmen – erfüllt diesen Anspruch im hohen Maße.

In einer über die europäischen Grenzen hinausgehenden Betrachtung werden die Gedenkstätten, Denkmäler und Museen beschrieben, die an die Verbrechen der kommunistischen Regime und deren Opfer erinnern. In alphabetischer Reihenfolge von Albanien bis Usbekistan sind diese Orte des Gedenkens in ausführlichen Texten beschrieben und sehr gut bebildert. Es sind nicht nur die Länder des ehemaligen Ostblocks in Mittel- und Südosteuropa berücksichtigt, sondern auch die ehemaligen Sowjetrepubliken, für die die Autoren die Stätten der Erinnerung beschreiben; es sind die Gedenkorte in Armenien und Georgien sowie in den baltischen Staaten, in Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und natürlich in Russland aufgeführt. Allein für Russland werden aus elf Städten solche Erinnerungsstätten vorgestellt. Auch außerhalb der ehemaligen Sowjetunion sind Denkmäler für die damaligen Opfer errichtet, so in Äthiopien, China (Hongkong), Kambodscha, Südkorea und der Mongolei. Selbst in Staaten, die niemals unter einer solchen Diktatur standen, in Australien, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Österreich, der Schweiz und den USA erinnern einzelne Denkmäler an die Opfer. Auf die jeweiligen historischen Hintergründe, derer man hier gedenkt, wird ausführlich eingegangen.

Ein nahezu weltweites Gedenken ist dem Erinnern an den Holodomor (ukrainisch: Tötung durch Hunger) gewidmet. Man erinnert an die von der Sowjetmacht zu verantwortenden mehreren Millionen Hungertote der Jahre 1932/33 in der Ukraine. Ähnlich weit verbreitet sind die Gedenkstätten an die Opfer des Massenmords von Katyn. Der Donskoje-Friedhof in Moskau hat für viele Deutsche eine tiefe Bedeutung. 972 Frauen und Männer, die in den Jahren von 1950 bis1953 in Deutschland von Sowjetischen Militärtribunale unschuldig zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet wurden, sind hier neben 10.000 Ermordeten aus vielen Ländern in Massengräbern anonym verscharrt. Heute hat man ihnen eine würdige Gedenkstätte errichtet und in den ausliegenden Totenbüchern ihnen ihre Namen wiedergegeben.

In der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin gab es bereits seit Anfang der 1950er Jahre eine größere Zahl von Gedenkstätten für die Opfer des Stalinismus, des Grenzregimes und des 17. Juni 1953. Inzwischen erinnern mehr als 900 Gedenksteine und Museen in ganz Deutschland an die Verbrechen des Kommunismus. Drei davon - in Oranienburg, Bautzen und Berlin - sind hier vorgestellt.

Besonders erwähnenswert sind auch die ausführlichen Texte, die den Abschnitten für die einzelnen Länder vorangestellt sind, aus denen die politischen Hintergründe zu deren jüngerer Geschichte deutlich werden. Dadurch ergibt sich für den gesamten Inhalt ein wesentlich erhöhter Informationswert, der diese Publikation zu einem wichtigen Geschichtsbuch macht.


Den Autorinnen ist ein Buch gelungen, das schon durch sein Titelbild aufmerksam macht und in seiner hervorragenden Gestaltung keinerlei Wünsche offen lässt, aber erst recht durch die exakte und akribische Beschreibung einen besonderen Platz in der Aufarbeitungsliteratur verdient. Das ist einen besonderen Dank wert.


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©VERS 2002 - 2018 letzte Änderung: 14.10.2018