Aktuelles


VERS-Erinnerungen an den 16. Februar 1990
 

Buchtitel Lichtenstein

Am 16. Februar 2020 hat sich eine Gruppe von VERS-Mitgliedern aus Rostock und Umgebung getroffen, um an ein denkwürdiges Datum zu erinnern.

Am gleichen Tag, vor genau dreißig Jahren, hat die Ost-West-Vereinigung innerhalb des VERS stattgefunden. In der Eselföterstraße in Rostock haben sich damals die in Rostock Verbliebenen mit denen, die wohl oder übel die Universität in Richtung Westen (oder sehr weit in Richtung Osten) verlassen mussten, nach langen Jahren wieder getroffen.
 
Aus diesem Anlass hatten Peter Meier und Peter Uebachs, stellvertretende Vorsitzende des VERS, jetzt nach Rostock eingeladen. Vor dreißig Jahren waren es etwa 50, die der Einladung gefolgt waren, jetzt war es nur noch ein kleiner Kreis, der sich im „Blauen Engel“ getroffen hat, dort wo damals das Kleine Haus des Rostocker Volkstheaters gestanden hat. Man erinnerte sich: Georg Lichtenstein hatte hier aus dem „Ammer“ eine szenische Lesung mit dem Titel „Das durfte nie wahr sein“ erarbeitet und inszeniert. Die Aufführung war ein großer Erfolg. Viele der Anwesenden begegneten ihrer eigenen Vergangenheit und waren tief betroffen, andere erfuhren erstmals von dem, was damals geschehen war. In der Stadt wurden die schlimmen Vorgänge der 1950er Jahre zum öffentlichen Thema, und nicht nur die lokale Presse, sondern auch die überregionale berichtete ausführlich über das Ereignis. Friedrich-Franz Wiese schrieb an den Autor: „Das Theater ist in seinen besten Stunden doch eine moralische Anstalt!“  (siehe Christiane Baumann, „In Rostocker Verbundenheit!“ - Der Verband Ehemaliger Rostocker Studenten (VERS) und seine Geschichte, VERS, Rostock 2018, S.105f).
 
Dieses Ereignis ist ein Meilenstein in der Geschichte des VERS und daran sowie an die besonderen Verdienste des kurz zuvor verstorbenen Georg Lichtenstein sollte bei diesem Treffen dankbar erinnert werden.

VERS-Nachrichten 2020

Die VERS-Nachrichten Nr. 50, Jahrgang 2020, sind mit folgenden Themen erschienen (Download hier).


Nachruf

Roland Bude

Am 17. April 2019 ist Roland Bude kurz nach Vollendung seines 93. Lebensjahres gestorben.


Der VERS trauert mit vielen Freunden um den Verlust eines hoch verdienten Mitglieds.

Das Leben von Roland Bude ist gekennzeichnet von all dem, was die jüngere Geschichte ausmacht. Im Alter von 17 Jahren wurde er mit all seinen Klassenkameraden zu den Flak-Helfern einberufen. Es folgten Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft. Flucht und Vertreibung aus der Heimat, dem Sudetenland, schlossen sich an. In Thüringen fand er eine neue Bleibe. 1947 konnte er dann sein Studium in Jena beginnen, das er in Rostock fortsetzte. Aber die Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn wich sehr schnell der Einsicht, dass sich in der SBZ/DDR eine neue Diktatur ausbreitete und auch die Universitäten erfasste. So engagierte er sich im Studentenrat. Gemeinsam mit gleichgesinnten Kommilitonen versuchte er, die Vorhaben der längst von der SED gesteuerten FDJ zu unterwandern. Viele Namen aus diesem Freundeskreis findet man in den frühen Mitgliederlisten des später gegründeten VERS. Die Staatssicherheit und bereits deren Vorläufer, die politische Polizei K5, hatten diese Gruppierung von oppositionellen Studenten längst im Visier. Im Juli 1950 wurde Roland Bude verhaftet und der sowjetischen Geheimpolizei übergeben. Ein sowjetisches Militärtribunal in Schwerin verurteilte ihn zu zwei Mal 25 Jahren Arbeitslager. Es folgten fünf Jahre in Workuta unter unmenschlichen Bedingungen. Und auch hier fanden sich ehemalige Rostocker Studenten wieder zusammen. Das kaum zu hoffende wurde Wirklichkeit, als es dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer bei seinen Verhandlungen in Moskau gelang, die letzten deutschen Kriegsgefangenen und die poltischen Gefangenen aus den Lagern der Sowjetunion heimzuholen.

Der 16. Oktober 1955, als der Zug mit den Heimkehrern die Grenze zur Bundesrepublik passierte und kurz darauf in Friedland eintraf, war gewiss einer der glücklichsten Tage von Roland Bude. Vom Empfang dort und von dem gemeinsamen, spontan angestimmten Choral „Nun danket alle Gott“ hat er auch noch nach Jahren in tiefer Betroffenheit berichtet.

Doch Roland Bude war ein Mann, der nicht in der Erinnerung verharrte, sondern stets nach vorne blickte. Sehr bald erreichte ihn ein Brief von Egon Klepsch, mit dem ihn die Rostocker Studienzeit eng verbunden hatte, mit der Einladung zu einem Seminar vom „Büro Bonner Berichte“. Daraufhin trafen sich bereits Anfang 1956 drei ehemalige Rostocker Studenten – Egon Klepsch, Roland Bude und Hartwig Bernitt, der ebenfalls gerade aus Workuta heimgekehrt war. Ihre gemeinsame Absicht war es, weitere ehemalige Weggefährten zu sammeln und aus dieser neuen Gemeinschaft heraus ihre Erfahrungen aus der erlebten Unfreiheit weiterzugeben und sich ganz besonders für die Werte von Demokratie und Rechtstaatlichkeit einzusetzen. Man wollte nicht abseits stehen, man wollte sich engagieren. Der Gedanke des VERS war damit unter der Mitwirkung von Roland Bude geboren.

Für sein berufliches und politisches Leben waren die tiefgreifenden Erlebnisse ebenfalls bestimmend. Im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen – später umbenannt in Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen – wurde er Leiter der Abteilung Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Hier konnte er wichtige Publikationen auf den Weg bringen, u.a. den „Ammer“, in dem erstmals über den studentischen Widerstand an der Universität Rostock berichtet wurde. Auch nach seiner Pensionierung zog er sich nicht in den Ruhestand zurück. Von März 1992 bis November 1994 übernahm er den Vorsitz der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und wurde später zum Vizepräsidenten der Internationalen Assoziation ehemaliger politischer Gefangener und Opfer des Kommunismus ernannt. Mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse würdigte Bundespräsident Richard von Weizsäcker sein berufliches und ehrenamtliches Engagement.

Dem VERS ist Roland Bude über Jahrzehnte nicht nur eine wichtige Stütze gewesen, er hat den VERS inhaltlich mitgeformt und ihm Ansehen verliehen. Eine Herzensangelegenheit war er ihm immer. Das Erscheinen der VERS-Chronik „In Rostocker Verbundenheit“, an der er noch mitwirken konnte, hat ihn mit Genugtuung erfüllt. Nun ist seine Stimme verstummt, doch die Erinnerung an einen unbeugsamen Streiter für Recht und Freiheit bleibt erhalten. Wir wollen sie bewahren.

Uns bleibt gemeinsam mit der Familie um einen Freund zu trauern, der sich um den VERS verdient gemacht hat.

VERS-Nachrichten 2019

Die VERS-Nachrichten Nr. 49, Jahrgang 2019, sind mit folgenden Themen erschienen (Download hier).

In Rostocker Verbundenheit



„In Rostocker Verbundenheit!“ –
Der Verband Ehemaliger Rostocker Studenten (VERS) und seine Geschichte

Es ist eine Geschichte, die in den ersten Nachkriegsjahren beginnt und bis in die heutigen Tage führt. Es waren junge Menschen, die nach der Nazi-Diktatur eigentlich nur in Rostock studieren wollten, sich aber bald gegen eine neue Diktatur wehren mussten. Auf sehr unterschiedliche Weise führte sie ihr Weg in den Westen, wo sie sich fanden und beschlossen, für ein gemeinsames Ziel einzutreten. Teilnehmen am Aufbau einer freiheitlichen Demokratie, sahen sie an als Verpflichtung aus ihren eigenen teils bitteren Erfahrungen. Nun haben sie Christiane Baumann ihre Geschichten erzählt und die hat sie aufgeschrieben. Daraus ist eine leicht lesbare Chronik entstanden, in der sich auch 60 Jahre Bundesrepublik widerspiegeln.
Erstmals wird die Geschichte des Verbandes Ehemaliger Rostocker Studenten kompakt aber doch differenziert zusammengefasst und für die Öffentlichkeit anschaulich dargestellt. Neben den persönlichen Geschichten der Mitglieder aus den vergangenen Jahrzehnten wird die politische Arbeit des VERS beleuchtet.
Die Veröffentlichung des Buches war nur möglich durch zahlreiche Spenden der VERS-Mitglieder und die finanzielle Unterstützung sowohl der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern als auch der Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR sowie durch die Stiftung Mecklenburg und die Universität Rostock. Allen Unterstützern sei auf diesem Wege noch einmal für ihr Engagement gedankt.

Zu beziehen gegen eine Spende von 10 Euro plus 2 Euro Versandkosten bei Anne-Dore Neumann, Tel.: 0381 498-2719, E-Mail: anne-dore.neumann@uni-rostock.de




Gedenkveranstaltung für Arno Esch in Rostock

Rund 50 Weggefährten von Arno Esch, Beschäftigte der Universität Rostock und Mitglieder des VERS haben am Dienstag, den 6. Februar 2018 dem von den Sowjets hingerichteten ehemaligen Rostocker Studenten gedacht. Arno Esch wäre an diesem Tag 90 Jahre alt geworden. Im Beisein des Rektors der Universität Rostock, Prof. Dr. med. Wolfgang Schareck, legten die Mitglieder des VERS im Hörsaal der Universität einen Kranz zu Ehren Eschs nieder.

VERS-Seminare von 1958 bis 2017

Eine Übersicht über die Themen der VERS-Seminare zwischen 1958 und 2017 finden Sie hier.

Die Titel der einzelnen Vorträge von 1990 bis 2017 sind hier aufgelistet.

Die Kurzfassungen der Vorträge von 2002 bis 2017 sind hier nachzulesen.



VERS-Nachrichten stehen zum Download bereit

Die VERS-Nachrichten stehen jetzt seit der Ausgabe 32 aus dem Jahr 2002 zum Download bereit. Sie zeichnen einen Rückblick auf die Geschichte des VERS der vergangenen 14 Jahre.




©VERS 2002 - 2020 letzte Änderung: 24.01.2020